Wiener Zeitung

Die Plattengeschäfte dürften ihre liebe Not haben mit Sebastian Simsa. Ist das nun Jazz, Kammermusik oder Folk? Die Musik des heimischen Schlagzeugers passt in alle diese Regale. Am besten wäre sie jedoch in einem mit dem Titel “Entdeckungen” aufgehoben. Simsa lässt die verschiedenen Stile nicht plump aufeinanderprallen, sondern verwebt sie in seinen besten Nummern zu einer Instrumentalmusik von reizvoller Vieldeutigkeit. Geige und Cello erzeugen ein bald klassisches, bald erdiges Klangbild, Sopransaxofon und Schlagzeug steuern jazzige Aromen bei, und die Gitarre wechselt zwischen filigranen, rockigen und herben Noten.

Dabei erinnert das Eröffnungsstück (“The Bridge”) zwar ein wenig an schlichten Barockjazz aus der Feder des US-Amerikaners Moondog. Nummern wie “La Casa Vieja” speisen sich aber gleichermaßen aus musikalischer Ideenfülle und sphärischen Improvisationen. Die letzte Überzeugungsarbeit leisten Überraschungen wie in “Mauern & Eis”: Ein wuchtiger 6/8-Groove trägt da eine verwaschene Klanglandschaft, in der plötzlich Chorstimmen zu jubeln beginnen. Auch um Zugnummern ist dieses Album nicht verlegen, bietet mit “Tuilleries” gepfefferten Rock und mit dem “Kleinen Gebet” eine eingängige Glücksmelodie. Kurz: eine Empfehlung.

Christoph Irrgeher
Wiener Zeitung, 23.11.2018