Bereits das Debütalbum 2018 “The Time We Need” war so gelungen, dass sie sich damit die Latte selbst sehr hochgelegt haben. Und das ungewöhnliche Quintett, das manchmal zum Sextett erweitert wird, hat sich, seinem ersten Albumtitel entsprechend, Zeit gelassen. Nichts ist doch schwieriger, als nach einem besonders erfolgreichen Debüt nachzulegen. Möchte man meinen.
Aber das sind offenbar kleine Gedanken. Denn die zweite CD “Perpetuum mobile” schließt nahtlos und lässig dort an, wo “The Time We Need” endete. Sebastian Simsa ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Was er konkret erlebt hat, übersetzt er in musikalische Kurzgeschichten von intensiver Sinnlichkeit und Dringlichkeit, aber auch filmischer Suggestion und mitunter ansteckender Gelassenheit.
Die ungewöhnliche Besetzung öffnet Simsa dafür den Freiraum, den seine Phantasie – und die seiner Mitstreiter – braucht: Saxophonist Andrej Prozorov, Geiger Florian Sighartner, Carlos Muñoz Camarero – Violoncello, Nyckelharpa und Gesang, Gitarrist Heimo Trixner und schließlich Bandleader und Komponist Sebastian Simsa an den Drums. Dazu diesmal die Vocals von Anne Widauer in drei Nummern.
Sie könnten sich auch Simsalabim Fünf nennen, denn sie verzaubern einen im Nu, Gegenwehr zwecklos. Und warum? Weil sie gut sind. Künstlerisch und handwerklich einfach gut. Und weil sie etwas Relevantes zu erzählen haben.
Mirjam Jessa